In Rudolstadt-Schwarza soll 2023 eine Recyclinganlage für Li-Ionenbatterien gebaut werden, die erste in Deutschland.

Klar muß das Zeug irgendwo aufgearbeitet werden, aber in dicht bewohntem Gebiet halte nicht nur ich das für sehr gefährlich, zumal das vorgesehene Industriegebiet unmittelbar an mehrere Wohngebiete grenzt. Woanders werden kompakte neue Firmen auf (ursprünglich) grüne Wiesen neben einer Autobahn gesetzt, hier macht man das mitten in einem Städtedreieck - für mich unverständlich. Besser und kürzer an Autobahnen angebundene Orte gibt es zahlreiche in Deutschland, auch weniger dicht bewohnte. Eigentlich müßte doch für so eine Anlage, egal wo sie gebaut wird, ob im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt oder woanders, ein großer Mindestabstand zu bewohnten Gebieten eingehalten werden.
 
Zwischen Cumbach und dem geplanten Werk liegt nur ein Berg. Die Stadtteile Schwarza, Volkstedt und Unterpreilipp grenzen direkt ohne topologische Hürde daran. Auch die Städte Saalfeld und Bad Blankenburg sind weniger als 10 km in Sichtweite entfernt davon. 83 t Li-Batterie-Abfälle sollen pro Tag dort verbrannt werden. Die in der neuen Anlage entstehenden Zwischenprodukte, offiziell als "Black Mass" bezeichnet, müssen dann durch ganz Rudolstadt zu einer Autobahn und danach letztendlich zu einem europäischen Hafen zur Verschiffung nach Korea zur weiteren Aufbereitung gefahren werden. Dazu sollen Gefahrgut-LKWs mit besonders sicheren Spezialbehältern die gefährliche "schwarze Masse" täglich durch die engen Straßen Rudolstadts fahren. Die konkreten und weiteren Routen waren den über 1200-seitigen Dokumenten nicht zu entnehmen. Komischerweise hat die LEG (Landesentwicklungsgesellschaft) Thüringens mehrere Anträge ziemlich schnell durchgewunken.
 
Zur Zeit läuft für wenige Wochen die Möglichkeit, Einwände dazu bzw. dagegen schriftlich oder per Mail einzureichen.
Einwände, Meinungen, ... können bis 9.1.2023 per Mail an immissionsschutz@tlubn.thueringen.de geschickt werden.
Ich hoffe, davon wird reger Gebrauch gemacht, denn es geht um die Zukunft und die Gesundheit der Einwohner des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt und der bewohnten Orte, durch die die (noch unbekannten) Fahrtrouten führen!
Ich empfehle, die Einwände sowohl als Mailtext, alsauch als angehängte pdf-Datei mit Unterschrift zu schicken. Name, Anschrift und Beruf müssen genannt werden, damit das Schreiben berücksichtigt wird.
 
Einsicht nehmen in veröffentlichte Unterlagen kann man: hier
Im unteren Drittel der Seite sind Links zu den einzelnen Unterlagen zu finden, die man auch downloaden kann.
 
In den Unterlagen tauchen zur "Black Mass" und weiteren anfallenden Stoffen solche besorgniserregenden Fakten auf wie zum Beispiel:
  • - kann allergische Reaktionen hervorrufen (u.a. Aminphosphat)
  • - Geruch und Geruchsschwelle nicht bekannt
  • - Entzündlichkeit - keine Angaben verfügbar
  • - Zersetzungstemperatur nicht bekannt
  • - ph-Wert nicht anwendbar
  • - Löslichkeit vernachlässigbar
  • - Dampfdruck geschätzt
  • - explosive Stoffe nicht klassifiziert
  • - Verdampfungsgeschwindigkeit und oxidierende Eigenschaften nicht bekannt
  • - reagiert mit starken Oxidationsmitteln
  • - Einstufungskriterien wegen nicht verfügbarer Daten bzgl. akuter Toxizität nicht erfüllt
  • - schwere Augenschädigungen
  • - enthält Bestandteile mit potentieller Bioakkumulation
  • - endokrinschädliche Eigenschaften: keine Daten verfügbar
  • - kann physische Ablagerungen an Wasserorganismen verursachen
  • - 10,5 mg Staubniederschlag pro Tag!
  • - Übersteigerung der sogenannten Bagatellmassen bei PM10-Staub und Flour (als Restabgaben in die Umgebungsluft)
  • - Gefährdung von mehreren Vogel- u.a. Tierarten (auch welchen, die auf der roten Liste stehen, z.B. Zauneidechse, Nachtkerzenschwärmer, ...) nicht vermeidbar

In meinen Augen ist diese Recyclingtechnik noch nicht richtig ausgereift, solange man im Normalbetrieb nicht verhindern kann, daß beispielsweise Allergiker, Asthmatiker, MCS-Betroffene u.a., aber letztlich auch noch Gesunde durch Reststoffe in der Umgebung geschädigt werden können, und zwar täglich! Ständige, wenn auch "nur" geringe Belastungen, lösen permanente Entzündungen aus, die sich zunächst schleichend entwickeln (medizinisch als Silent Inflammation bezeichnet) und zu multisystemischen Erkrankungen wie MCS (Multiple Chemische Sensitivität), CFS (Chronische Müdigkeit), etc. führen. Viele Symptome sind vergleichbar mit denen von LongCovid. Außerdem wird die potentielle Krebsgefahr durch Feinstaub erhöht, solange nicht alle Schadstoffreste komplett weggefiltert werden.
 
Bis zum 8.12.2022 liegen die veröffentlichten Unterlagen (1246 Seiten) auch vor Ort im Rathaus Rudolstadt aus.
 
Weitere Infos auch hier:NABU Dafür werden Spenden für die anwaltliche Vertretung gesammelt.
 
 Home Disclaimer © Karin Vogler